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天安門事件 きょうで30年 徹底した言論封殺
2019年6月4日 5時50分
中国の北京で民主化を求める学生らの運動が武力で鎮圧され、大勢の死傷者が出た天安門事件から4日で30年になります。事件の見直しや責任を問う声は封じ込められたまま言論統制は一層強化され、政府への批判も徹底して抑え込まれています。
天安門事件は30年前の1989年6月4日、民主化を求めて北京の天安門広場やその周辺に集まっていた学生や市民に対して軍が発砲するなどして鎮圧し、大勢の死傷者が出たものです。

中国政府は319人が死亡したと発表しましたが、犠牲者の数ははるかに多いという指摘もあり、犠牲者の遺族は事件の真相究明や責任の追及を求め続けています。

中国政府は、一部の学生や市民による暴乱で、軍の鎮圧は正しかったとする立場を変えていないほか、中国は目覚ましい経済発展を遂げ、国民から支持を受けていると正当性を強調しています。

ただ中国では、社会の安定を乱すとしてインターネットの規制や言論統制が強化され、弱い立場の市民を支援する人権派弁護士などへの締めつけも強まっています。

中国では民主化を求める声や政府への批判は徹底して抑え込まれ、習近平指導部のもと、共産党の一党支配の体制を正当化し、強化していく姿勢が改めて鮮明となっています。
天安門事件とは
事件のきっかけは、学生の民主化運動に理解を示したなどと批判されて1987年に失脚した胡耀邦元総書記がこの年の4月15日に死去したことでした。

学生たちが追悼のために連日、天安門広場に集まって胡元総書記の名誉回復を求め、次第に要求は言論の自由や腐敗した官僚の打倒などに広がっていきます。

4月26日に共産党の機関紙 人民日報は「動乱」と決めつける社説を掲載し、学生たちの間に強い反発が広がります。

デモ行進や座り込みは知識人や労働者にも拡大し、社説の取り消しなどを求めて一部の学生たちがハンガーストライキに踏み切ったほか、参加者が100万人規模に上るデモも行われました。

党の指導部は5月20日に北京市に戒厳令を敷いて事態の収拾に乗り出し、6月3日夜から4日にかけ、天安門広場やその周辺に軍の兵士や戦車を出動させ、武力で強制的に排除しました。

兵士による発砲などで多くの学生や市民が犠牲になり、中国政府は死者の数について319人と発表しましたが、実際はもっと多いという指摘もあり、真相は明らかになっていません。

当時、共産党の中でも学生の主張に理解を示していた改革派の趙紫陽総書記と、最高実力者の※トウ小平や保守派の李鵬首相との間に意見の違いがあり、趙総書記は戒厳令に反対して失脚しました。

※トウは「登」におおざと。
学生運動元リーダーは米に亡命「今の中国は最悪」
当時、北京大学の学生で、学生運動のリーダーだった王丹氏は先月下旬、亡命先のアメリカから日本を訪れ、NHKのインタビューに応じました。

王氏は「1人の若者として情熱を持って国を思い、学生運動を通じて国を変えようとした。後悔はしていない」と当時を振り返りました。

そのうえで「どんなにつらくても、世界を回って30年前に起きた事件の真相を語り続けたい。それが犠牲になった学生たちに対する責任だ」と述べました。

今の中国については、習近平指導部のもとで人権や政治の状況はさらに悪化し、中国全土を混乱に陥れた文化大革命以降、最悪だとし、「今の中国共産党には政治改革を行う兆しが全く見えない」と批判しました。
元学生「衝撃は怒りに、そして絶望に」
北京にある中国人民大学の学生だった54歳の男性は「本当に実弾を撃つとは思ってもみませんでした」と当時の衝撃を語りました。

男性は友人とともによく天安門広場に通っていましたが、当日、別の用事でたまたま広場に行かず、広場に行った親友の1人が亡くなり、「非常に悲しい思いをした」と話しています。

そして「当時の学生は理想主義に燃えて社会を良くしたい、世界を良くしたいと考えていただけです」と述べ、「衝撃から怒りに変わり、そして絶望を感じました」と当時を振り返りました。

そのうえで「この事件は必ず歴史として記憶されるべきです。怒りの感情では問題は解決できないが、忘却はもっと恐ろしいことです」と話していました。
政府が「封印」 事件知らぬ若者も
中国政府は天安門事件について「1980年代末の政治的な騒ぎについてはとっくに結論を出している」として再評価する姿勢を見せていません。

そして「建国70年の間に大きな発展を遂げ、中国が国情に合った道を歩んできたことを証明しており、国民の支持を得ている」と共産党の一党支配の正当性を改めて強調しています。

ただ中国では事件について30年がたつ今も公に語ったり伝えたりすることはタブーとなっていて、言論や報道への統制が行われています。

中国のインターネットでは、6月4日に起きた天安門事件を意味する「六四」などの言葉を検索しても政府側の見解を伝えたごく一部の情報しか表示されません。

中国外務省の定例記者会見で外国人記者が関連の質問をしても、ホームページ上の会見録ではそのやり取りが削除され、掲載されていません。

30年という節目を迎える中、中国メディアは天安門事件について詳細に紹介したり独自の見解を示したりすることはしていません。

中国では天安門事件についてほとんど知らない若者が多くなっています。
言論統制に習主席個人崇拝 今の中国は
習近平指導部は言論統制を強化し、共産党や政府の批判につながりかねない活動への締めつけを強めてきました。

4年前には政府による不当な強制立ち退きや民主化を訴える人たちの弁護を担当する人権派弁護士など300人以上が一斉に警察に拘束されたり取り調べを受けたりしました。

経済格差が依然として深刻な問題となる中、マルクス主義を強く信奉し労働者の権利保護を訴える活動を行う大学生なども、去年以降、相次いで拘束されています。

言論統制も強化され、6年前に共産党の言論統制の方針を示したとされる文書では「欧米式の立憲民主主義」「普遍的価値」「共産党の歴史を否定するもの」などは広めてはならないと通知されていました。

3年前にはインターネットのサービス業者に対し、国内では違法とされる情報を削除することや、当局の捜査に協力することなどを求める「インターネット安全法」が成立し、インターネット上の言論も規制されています。

厳しい言論統制が敷かれる一方、共産党が統制するメディアによって、権力を一極集中させた習近平国家主席の個人崇拝が進められているなどとして、知識人の間では懸念も出ています。

中国屈指の名門校、清華大学の許章潤教授はインターネット上に論文を発表し、習近平指導部が去年、2期10年までだった国家主席の任期を撤廃したことを問題視したほか、「メディアによる指導者の神格化は極限に達し、全体主義国家のようだ」として公然と批判しました。

さらに、天安門事件から30年を迎える中、誠意を示して再評価することが共産党の統治の正当性にもつながると訴えたところ、許教授はことし3月、大学を停職処分となりました。

こうした言論統制や締めつけの背景には、批判などが広がれば共産党一党支配体制を揺るがしかねないとして、習近平指導部が統制を強化していることがあるものとみられます。

https://www3.nhk.or.jp/news/html/20190604/k10011939861000.html

How Tiananmen crackdown left a deep scar on China’s military psyche
South China Morning Post 2019/6/4
full text at:
https://www.scmp.com/news/china/military/article/3012956/how-tiananmen-crackdown-left-deep-scar-chinas-military-psyche

Don’t succumb to Tiananmen amnesia
JUN 3, 2019, Japan Times
Quotes:
Tuesday marks the 30th anniversary of the Chinese government’s brutal crackdown on pro-democracy protestors in Tiananmen Square in central Beijing. It is an indication of the extraordinary sensitivity that still surrounds that event that public discussion of it is muted, if not suppressed, and the death toll remains unknown and bitterly contested. The rest of the world has an obligation to remember what happened that fateful night so that it has no illusions about the nature of the regime with which it must deal. More importantly, the Chinese people must learn what occurred so that they understand that their future is not determined — and that the pursuit of democratic dreams may well prove bloody.

And while international attention (and memory) has focused on the Beijing protests, they occurred across the country. Anger was nationwide.

This Chinese “model” of authoritarianism — economic reform coupled with increasingly centralized political power — is gaining support around the world. This tide of illiberalism is one of the legacies of Tiananmen.
Sadly, in some ways, the Chinese population has accepted this new social contract, accepting better material lives in exchange for shrinking political space. The Beijing government facilitates this quiescence by repressing memory and encouraging the belief that there is no alternative to a brutal and repressive state. The world must push back — not so that we will not forget, but so that Chinese can learn of their past and hope for a better future.

more at:
https://www.japantimes.co.jp/opinion/2019/06/03/editorials/dont-succumb-tiananmen-amnesia/#.XPYcjC2B2Rs

30 Jahre nach der Rebellion in China
Der Deal läuft aus
1989 wurden die Proteste auf dem Tienanmen-Platz niedergeschlagen. Wie lange noch wird der Wohlstand ein neues Streben nach Freiheit verhindern?

Die Glaskästen mit den Wandzeitungen auf dem Campus der Peking-Universität stehen noch. Ebenso die schwarzen Bretter, die vor 30 Jahren voll mit Protestnoten waren. Heute hängen hier nur noch ein paar Zettel mit Worten wie „Zimmerangebot“ oder „Suche E-Bike“ darauf. Und auch die sind weniger geworden: Die Verständigung der Studentinnen und Studenten läuft längst über die sozialen Medien im Internet. Wer jedoch den kritischen Geist finden will, der einst die Peking-Universität prägte, wird auch dort nicht fündig. Regierungskritische Inhalte postet kaum noch jemand. Der Staat liest schließlich mit.
Im Jahre 1989 war die Überwachung noch nicht derart perfektioniert. Deshalb konnte vom Campus der Peking-Universität eines der bedeutendsten politischen Ereignisse des 20. Jahrhunderts ausgehen. Als im Frühjahr 1989 Zehntausende junge Menschen für mehr Demokratie auf den Tiananmen-Platz im Herzen der Stadt zogen, waren es die Studentinnen und Studenten der Peking-Universität, die die Proteste anführten. Das Militär schlug die Bewegung in der Nacht zum 4. Juni blutig nieder. Es gab Tausende Tote – die genaue Zahl haben die Behörden nie herausgegeben.
Wer heute die Universität besucht, sieht Sicherheitskameras an sämtlichen Laternenpfählen hängen. Sie erkennen Gesichter in der Menge und können sie mit den Informationen in zahllosen Datenbanken abgleichen, in denen der Staat die Daten der Bürger verwaltet. Einen Protest an der Peking-Universität zu organisieren wäre heute fast unmöglich. Der Wille dazu existiert ohnehin nicht: Statt politischer Aufbruchstimmung prägen jetzt Karriere- und Alltagssorgen das Denken der Studierenden. Das Leben auf dem Campus der Peking-Universität spiegelt damit das Wesen des Landes insgesamt wider: ein technologisch hochmoderner, zugleich aber streng kontrollierter Sicherheitsstaat.
China hat sich in den vergangenen drei Jahrzehnten von einem armen Entwicklungsland zu einer globalen Wirtschaftsmacht entwickelt. Um durchschnittlich 9 Prozent im Jahr ist die Wirtschaft gewachsen auf über 12 Billionen Dollar. Das durchschnittliche Jahreseinkommen hat sich von rund 200 auf mehr als 9.600 Dollar erhöht. Lebten 1989 noch mehr als 70 Prozent der Menschen von knapp 2 Dollar am Tag, wird die absolute Armut bis 2020 in China besiegt sein.
Geld ja. Politik nein
„Die KP-Führung bot dem chinesischen Volk 1989 ein neues Geschäft an“, sagt der US-Politologe Perry Link. Das Volk könne Geld verdienen, die Führung gestatte den Bürgern mehr persönliche Freiheiten in ihrem täglichen Leben. Link hatte 2001 an der sogenannten Tiananmen-Akte mitgeschrieben, die zu einer Aufklärung der Vorgänge beitragen sollte, bis heute das einzige ausführliche Dokument zu den Ereignissen von 89. Auch zum Deal gehöre: „Die Parteimacht dürfen die Bürger nicht öffentlich infrage stellen und auch keine Organisationen bilden – politisch, religiös oder auf andere Weise, die die Partei nicht kontrollieren kann. Kurz gesagt: Geld ja. Politik nein.“
Und dieses Geld, das fließt. Das Ziel der kommunistischen Führung, bis 2025 technologisch führend zu sein, ist keineswegs aus der Luft gegriffen. Kein Land investiert so viele Milliarden in künstliche Intelligenz, Mikrochips und Industrieroboter wie die Volksrepublik. Wohlstand für alle – das sei ein „Menschenrecht“, argumentiert die kommunistische Führung.
Die Kommunistische Partei bietet einen klaren Deal an: Wirtschaftlich und materiell geht es bergauf, dafür zieht das Volk mit
Menschenrechte. Darum ging es auch den Studierenden im Jahr 1989, doch dachten sie an andere, an Meinungsfreiheit, Demokratie und Rechtsstaat. Diese Schlagworte verwendet die Führung zwar auch heute noch, doch verdreht sie die Begriffe, damit sie zum Ziel des eigenen Machterhalts passen. Die Wahrheit ist: Sie geht gegen ihre Kritiker härter vor als jemals zuvor.
Vom Unrecht Betroffene sind in den vergangenen drei Jahrzehnten zu Pessimisten geworden. Teng Biao, ein Menschenrechtsanwalt, der mit seiner Familie in die USA fliehen musste, sagt: „Wir sind heute noch weiter von der Demokratie entfernt als 1989.“ Er sieht gar einen Zusammenhang zwischen der Niederschlagung der Tiananmen-Proteste und der anschließenden Wirtschaftsentwicklung. Sie habe ihr nicht geschadet, sondern genützt, lautet seine These. Dem gängigen Narrativ, Demokratie und Wohlstand seien unmittelbar miteinander verknüpft, widerspricht er damit. Denn das politische System habe in China nicht einfach stagniert, im Gegenteil: Die KP sitze fester im Sattel als je zuvor, glaubt Teng.
Keine Demokratie, dafür aber Wohlstand – die Formel klingt simpel, doch in der Praxis ist das Bild deutlich komplexer. Denn es gab die kritischen Stimmen durchaus, und es gibt sie noch heute. In den 1990er Jahren waren es Künstler, Dichter und andere Intellektuelle, die es wagten, die Ausbeutung, Korruption und Regierungswillkür zu thematisieren, in den Jahren nach der Jahrtausendwende vor allem Anwälte, Journalisten und Blogger, die Kritik am Regime übten.
Dass vor allem diese Berufsgruppen in Erscheinung traten, lag an einem weiteren Großereignis. Als China 2008 die Olympischen Spiele austrug, wollte die Führung sich gegenüber der Welt offen und tolerant präsentieren. Unter dem Motto „Reise der Harmonie“ warb das Land schon im Vorfeld mit einem Fackellauf für die Spiele und die eigenen Errungenschaften in aller Welt. Die Parteiführung lockerte die Zensur, duldete Debatten in den aufkommenden sozialen Medien und versprach mehr Rechtsstaat. Die Machthoheit der KP sollte zwar nicht angetastet werden. Vielleicht, so dachten einige in der Führung, würde etwas mehr Transparenz und Überwachung aber sogar guttun.
Mutige Anwälte taten sich in Kanzleien zusammen. Neue Medien entstanden, die nicht mehr ganz so streng den Vorgaben der KP-Propaganda folgen mussten. Die Führung dachte, sie könne China und sich selbst feiern. Schon war von einem politischen Frühling die Rede.
Menschenrechtsaktivisten nutzten diese Öffnung. Sie wagten es sogar, eine „Bürgerrechtscharta“ zu verfassen, in der sie das System selbst infrage stellten. Auch die unterdrückten Tibeter und Uiguren erhoben ihre Stimmen.
Doch allein der Fackellauf entwickelte sich zur Farce. Sobald ein chinesischer Sportler mit der Fackel in einer europäischen oder nordamerikanischen Stadt auftauchte, kam es zu Protesten. Chinas Führung blamierte sich. Kurz nach den Spielen war es mit dem „politischen Frühling“ vollends vorbei. Im Anschluss folgte ein tiefer Winter, der bis heute anhält.

Eine Reihe von Aktivisten, die es wagten, auch nach 2008 noch Kritik zu üben, wurden zu langjährigen Haftstrafen verurteilt, darunter der Schriftsteller Liu Xiaobo. Er ist bekannt, weil er später den Friedensnobelpreis erhielt. „Anstiftung zur Untergrabung der Staatsmacht“ lautete schließlich die Klage gegen ihn und andere. 2009 verurteilte ihn ein Volksgericht zu elf Jahren Haft. Seine Frau Liu Xia stellten die Behörden unter Hausarrest. 2017 starb Xiaobo in Haft.
Mit Amtsantritt von Präsident Xi Jinping im Jahr 2013 ging es mit den Menschenrechten weiter bergab. Die Festnahme von rund 300 Rechtsanwälten und Menschenrechtsverteidigern im Juli 2015 markierte einen vorläufigen Höhepunkt. Seitdem trauen sich auch die Juristen nur noch selten an die Öffentlichkeit.
Brutales Vorgehen gegen Minderheiten
Derzeit gehen die chinesischen Sicherheitskräfte besonders brutal gegen die muslimische Minderheit der Uiguren in Xinjiang im Nordwesten der Volksrepublik vor. Hatte China seine berüchtigten Umerziehungslager aus Mao-Zeiten 2015 offiziell für verboten erklärt, sind sie im Umgang mit den Muslimen in Xinjiang wieder eingeführt worden. Kein Bürger kann davor sicher sein, plötzlich verhaftet und ohne Gerichtsverfahren in ein Lager gesteckt zu werden.
Einmischung aus dem Ausland verbittet sich die Führung. Kritik an Menschenrechtsverletzungen wird generell als Einmischung in innere Angelegenheiten abgetan. Wirtschaftlich ist China für viele Länder so wichtig geworden, dass es kaum mehr ein Staat wagt, die anhaltenden Menschenrechtsverletzungen anzuprangern. Seit in den USA Donald Trump im Amt ist, stehen auch in Washington die Menschenrechtsverletzungen in China nicht mehr auf der Agenda des Weißen Hauses. Und auch europäische Regierungen halten sich zurück.
Was die verbliebenen Dissidenten in China aber besonders frustriert: Sie werden im eigenen Land kaum noch wahrgenommen. Zwischendurch keimte die Hoffnung auf, das Internet könnte sich zum Hort der Meinungsfreiheit entwickeln. Zu komplex sei es, als dass es der KP-Führung gelingen würde, das Netz zu kontrollieren, dachten viele. Zwischenzeitlich verlagerten sich einige kritische Debatten ins Netz. 2009 gelang es der KP-Führung, den Zugang zu Netzwerken wie Facebook, Twitter und YouTube zu blockieren. Inzwischen hat sie auch die meisten chinesischen Online-Plattformen im Griff. Die Öffnung der Märkte und der zunehmende Wohlstand haben bisher kein erneutes Streben nach Freiheit ausgelöst. Stattdessen hat vor allem die aufstrebende junge Mittelschicht in den Großstädten schon früh verinnerlicht: Das persönliche Fortkommen und Reichtum für sich und die eigene Familie sind viel wichtiger.

Menschenrechte auf den hinteren Plätzen
Auf die Frage nach den wichtigsten Dingen im Leben werden in regelmäßigen Umfragen die Familie, ein gut bezahlter Job und der Erwerb einer Wohnung genannt. Die Achtung der Menschenrechte und Demokratie kommen allenfalls auf den hinteren Plätzen vor. Einem Großteil der Bevölkerung sind Namen wie Liu Xiaobo nicht bekannt.
Auch das Interesse an liu si, dem 4. Juni, wie die Niederschlagung der Proteste von 1989 abgekürzt genannt wird, scheint gering. Fragt man junge Leute in Peking nach Tiananmen, erntet man meist Achselzucken.
Die Macht der KP scheint auf absehbare Zeit gefestigt. Sie bietet einen klaren Deal an: Wirtschaftlich und materiell geht es bergauf, dafür zieht das Volk mit. Doch was passiert, wenn Chinas Führung das Versprechen auf noch mehr Wirtschaftswachstum und ein materiell immer besseres Leben nicht mehr einlösen kann?
So ein Szenario ist durchaus realistisch. Denn für die KP ist es sehr viel schwieriger geworden, mehr von allem anzubieten. Der Lebensstandard hat bereits ein hohes Niveau erreicht. Zuwächse sind viel schwerer zu erzielen. Um die nächste Entwicklungsstufe zu erreichen, die vergleichbar ist mit dem der Industrieländer, braucht es mehr als den Bau von noch mehr Fabriken und Hochhäusern.
Die Situation könnte also rasch gefährlich werden für Xi und sein Regime. Um die Lage trotz allem stabil zu halten, hat die KP zwei Instrumente ersonnen: Nach innen baut sie den perfekten Überwachungsstaat auf. Und nach außen festigt sie Chinas Macht durch die Seidenstraßen-Initiative.
Minuspunkte für Kritik an Präsident Xi
Beides lässt sich auch an der Peking-Universität beobachten. Das Verhalten und die akademischen Leistungen der Studierenden fließen schon jetzt in ein System ein, das jedem Bürger eine Bewertung zuweist. Das sogenannte „Social Scoring“ soll aus den Menschen Musterstaatsbürger machen. Kritik an Xi würde Minuspunkte bringen. Wer zu wenig Punkte hat, dem verwehrt die Bahn-Website vielleicht eine Reise. Wer richtig tief in den Miesen hängt, darf möglicherweise nicht heiraten. Das Social Scoring gilt als bisher perfideste Anwendung der künstlichen Intelligenz. Zugleich ist es die perfekte Antwort auf die Abwanderung der Unzufriedenen ins Netz.
Die Seidenstraße ist dagegen ein hochgradig extrovertiertes Projekt. Xi bindet ein Land nach dem anderen ein – zuletzt sogar Italien, ein Kernland der EU. Was als Handelsprojekt daherkommt, wird immer mehr zu einer weltweiten Strategie der Macht.
Auch die Peking-Universität macht mit. Sie veranstaltet ein Symposium zur Seidenstraße nach dem anderen. In Ideologiekursen wird Xi-Jinping-Denken gelehrt – die Veranstaltungen sind Pflicht. Die ehrwürdige Bildungsinstitution, einst Brutstätte kritischen Denkens, wird damit immer mehr zur Gehilfin der Macht. Xi erfüllt sich den alten Traum der chinesischen Machthaber, die Jugend unter Kontrolle zu bringen. Was den Kaisern, der Republik und den Kommunisten der 80er Jahre nicht gelungen ist, könnte er schaffen – auf Kosten der Menschenrechte.

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http://www.taz.de/30-Jahre-nach-der-Rebellion-in-China/!5597155/

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He Stayed at Tiananmen to the End. Now He Wonders What It Meant.
By Chris Buckley, June 3, 2019, New York Times

BEIJING — As daybreak neared on June 4, 1989, Zhou Duo walked toward the ranks of soldiers bristling with guns. Behind him, thousands of protesters huddled on Tiananmen Square, terrified that the encroaching troops would slaughter them on China’s most hallowed political ground.
The soldiers had already shot wildly at incensed crowds when they stormed into Beijing that night under orders to clear the square by morning, and Mr. Zhou hoped to negotiate a path out for the demonstrators, many of them students. Mr. Zhou swallowed his fear and told a People’s Liberation Army officer: “Enough blood has flowed; there must not be any more.”
Mr. Zhou was one of four young intellectuals who helped save lives by negotiating the evacuation of protesters from the square. Thirty years later, Mr. Zhou, 72, is among the few prominent actors from the protests who remain in China and continue to defend the hopes of the 1989 movement, even while agonizing over its lessons.
Mr. Zhou often ponders the choices he made that culminated in the escape from Tiananmen Square. His life, closely watched by the state security officers, has become a difficult vigil for the democratic ideals that electrified the protests 30 years ago, he said.

Stifling censorship has enforced a silence over those who try to keep alive the memory of the protests and massacre, and has scrubbed the internet in China of virtually any references to the upheavals. The country has become increasingly authoritarian under Xi Jinping, the leader of the ruling Communist Party, whose administration has rounded up rights lawyers, labor activists, students and Muslim ethnic minorities.
“I’ve felt increasingly isolated,” Mr. Zhou said in an interview in Beijing ahead of the 30th anniversary of the Tiananmen crackdown. “Not many people care about June 4; young people don’t even know about it.” He was speaking in a cafe in north Beijing where other customers, eyes often fixed on their phones, seemed a world away from the talk of demonstrations and bloodshed.
Mr. Zhou’s daily reality is a stark reminder of how successfully China’s ruling Communist Party has married economic growth with authoritarian rule over the past three decades, resoundingly rejecting calls for greater political freedom.
But even more unexpected to Mr. Zhou were the troubles in Western countries that he admired as models of liberal democracy. The political divisions under President Trump and Britain’s Brexit shambles showed that even mature democracies could fall prey to dangerous populism and demagogy, Mr. Zhou said.

In 1989, Mr. Zhou was part of the “Four Gentlemen of Tiananmen,” a nickname for the group who went on a hunger strike during the demonstrations and later helped evacuate the square.
The others included Liu Xiaobo, the dissident who later won the Nobel Peace Prize in 2010 while in prison for his democratic activism. Mr. Liu died a prisoner in 2017. Another, Gao Xin, left for the United States, while the fourth, Hou Dejian, a musician born in Taiwan, has retreated from dissent.
Mr. Zhou spent nearly a year in detention after the 1989 crackdown, but even after his release, he is closely watched. “Now I wonder if I’ll have to live in this big prison indefinitely,” Mr. Zhou said before the security police spirited him away for the anniversary.
In recent weeks, the police have taken away or put under house arrest dozens of dissidents and political activists, according to human rights groups. Among them are the organizers of Tiananmen Mothers, a group of family members of people killed or maimed in the crackdown, which issued 23 video statements from relatives who urged the Chinese government to seek forgiveness for the killings.

“Thirty years have passed, and I feel that this brutal atrocity that took place under the gaze of the entire world should have been addressed long ago,” Zhang Xianling, whose teenage son, Wang Nan, was shot dead near Tiananmen Square, said in one of the videos. “This was a crime of the state.”
The Tiananmen protests erupted in April 1989, when students gathered to mourn the death of Hu Yaobang, a reform-minded Communist Party leader. Their commemorations grew into a six-week-long movement, with hundreds of thousands pouring onto the square to demand greater political freedoms and an end to corruption.
Mr. Zhou knew how brutal China’s politics could be. His family suffered persecution under Mao. But he also had a lot at stake in China’s future. He had worked with a famed sociologist at Peking University and then moved to a management job with an innovative Beijing electronics firm.
Mr. Zhou served as an intermediary between protest leaders and moderate party officials trying to coax the students to leave the square. He formed an unlikely bond with Mr. Liu, the future Nobel Prize winner, who back then was a combative literary academic and an ardent supporter of the students. Mr. Zhou was less sure.

“From start to finish, I felt conflicted, unsure about the right thing to do,” Mr. Zhou said of the protests.
Then, on the night of June 3, the People’s Liberation Army swarmed into the city, and word of mass carnage reached Tiananmen Square. Time was pressing; the troops had orders to reclaim the square in hours. Mr. Zhou and his three friends tried to organize the remaining protesters to leave, but getting out was dangerous, and some wanted to stay and fight.
Mr. Zhou and Mr. Hou, the musician, approached the soldiers to negotiate. Mr. Zhou begged for time and a passage to allow the protesters to leave safely. An officer agreed. Near dawn, thousands of students and residents filed off the square, some in tears, some singing or shouting defiant slogans.
“A river of blood was about to flow on the square,” Mr. Zhou wrote in his memoir. “If this wasn’t a miracle, what was?”

After his year in detention following the crackdown, he tried his hand at philanthropy, but the authorities made it impossible for him to keep running a charity to support poor rural teachers.
Over the past three decades, Mr. Zhou has traveled abroad, including as a visiting scholar at Harvard. But the police restrictions he faced in China cut off the chances of a new career in business or teaching. Occasionally, he would weigh in on discussions about the lessons of Tiananmen.
Now in retirement, Mr. Zhou lives off a pension, dividing his time between Beijing and a home in southern China, writing essays about his past and on current affairs, and giving classes in classical music, one of his lifelong loves. This week, his memoirs were published in Hong Kong, beyond the reach of Chinese censors.
With age, he has become more cautious about the pathway for democracy in China.
China’s middle class has grown and many wealthier people travel abroad, but that has not brought the tilt against party control that many liberals hoped for. China’s business and intellectual elites were too compromised to challenge the party, Mr. Zhou said.
“There are no domestic forces that can keep in check the Communist Party,” he said. “Its powers of control and repression, and now with the internet, high-tech, big data, artificial intelligence, facial recognition — well, the future looks more like 1984.”
Mr. Zhou thinks China should pursue gradual political change leading to legal limits on power and greater political diversity. When citizens are better off and politically mature, the country will be ready to evolve into a liberal democracy, he said.
“Even if a revolution overthrows the Chinese Communist Party and establishes a liberal democratic order, could it work?” he said. “It will certainly be a tortuous, slow and difficult process.”

https://www.nytimes.com/2019/06/03/world/asia/tiananmen-zhou-duo.html

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A lone protester kneels in front of a line of soldiers near Tiananmen Square on June 4, 1989.

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An angry Beijing resident punches a soldier after a military vehicle ran over a student protester on June 4, 1989. The faces have been blurred to protect the identity of the subjects.

3

Protesters hijack a military vehicle near Tiananmen Square on June 4, 1989.

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