「ベルリンの壁」の建設から65年: 「聞いた? 西ベルリンが封鎖されたんだって」 65 YEARS SINCE THE CONSTRUCTION OF THE BERLIN WALL: “Have you heard? West Berlin is closed off.”

In August 1961, workers erected the “West-East Berlin Wall” along Bernauer Strasse.

(It is my moral duty as a German to publish this article here on ART+CULTURE. It will be up-dated. )
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65 JAHRE MAUERBAU :
„Haben Sie schon gehört? Westberlin ist zu“

Berliner Mauer: Eine Zeitzeugin kämpft gegen die Verharmlosung

65 Jahre nach dem Mauerbau kämpfen Zeitzeugen gegen eine Verharmlosung der DDR. Eine Frau, die dort im Gefängnis saß, fürchtet heute vor allem zwei Parteien.

Den Bau der Mauer am 13. August 1961 erlebte Renate Werwigk-Schneider wie die meisten Deutschen: aus der Ferne. Sie stand im Garten ihrer Eltern in Teupitz, einem Städtchen in Brandenburg, als der Bauer wie jeden Sonntag eine Kanne Milch vorbeibrachte. „Herr Doktor“, sagte der Bauer zu ihrem Vater, „haben Sie schon gehört? Westberlin ist zu.“

Einen Tag später sah sie es selbst. Sie fuhr nach Ostberlin, wo sie Medizin studierte, eine Frau von 22 Jahren. Von ihrer Wohnung brauchte sie nur zehn Minuten zur Grenze an der Bernauer Straße. Regimekräfte montierten dort Stacheldraht und ließen sich von Bürgern beschimpfen. Abend für Abend lief sie zur Bernauer Straße, und jedes Mal war die Mauer ein Stück gewachsen.

Sie wusste noch nicht, dass sie zweimal versuchen würde, aus der DDR zu flüchten, erst durch einen Tunnel, dann mit falschem Pass über Bulgarien in die Türkei. Sie ahnte nicht, dass sie im Gefängnis landen und Jahre später von der Bundesrepublik freigekauft würde. Aber sie spürte, dass nun alles anders war. Bevor die Mauer stand, war sie oft mit der S-Bahn in den Westen gefahren. In der Amerika-Gedenkbibliothek las sie Hemingway. Im Kino am Ku’damm liefen Filme mit Audrey Hepburn. Sie träumte von der Welt. Paris, Rom, New York.

„Als die Mauer gebaut wurde“, sagt Renate Werwigk-Schneider heute, „ist in mir ein Wahnsinnszorn entstanden.“ Heute ist sie 87 Jahre alt und tritt als Zeitzeugin auf. Alle paar Wochen erzählt sie Schülern ihre Geschichte, spricht über die Mauer, die gescheiterten Fluchtversuche, die Vernehmungen in Hohenschönhausen, dem Stasi-Untersuchungsgefängnis. Sie kämpft gegen einen Satz, den sie vor vielen Jahren das erste Mal gehört hat: „So schlimm war es doch nicht.“

6月にホーエンシェーンハウゼンでレナーテ・ヴェルヴィク=シュナイダーと連邦大統領フランク=ヴァルター・シュタインマイヤー。
6月にホーエンシェーンハウゼンでレナーテ・ヴェルヴィク=シュナイダーと連邦大統領フランク=ヴァルター・シュタインマイヤー

Der Gedanke, so schlimm sei die DDR nicht gewesen, begegnet ihr immer wieder. Mal wird er geflüstert, mal gerufen, wie Werwigk-Schneider sagt. Oder er steht unausgesprochen im Raum, wie neulich, als der Kabarettist Uwe Steimle bei einer AfD-Wahlkampfveranstaltung die Nationalhymne der DDR sang und Politiker der Partei miteinstimmten.

65 Jahre nach dem Bau der Mauer kämpfen Zeitzeugen gegen eine Verharmlosung des Staates, dessen Opfer sie geworden sind. AfD-Politiker verurteilen die DDR zwar als „Diktatur“, die Partei spielt aber auch mit dem Empfinden vieler, mit der Wende sei auch Gutes verlorengegangen. Die Linke hat eine Jugendorganisation, bei deren Bundeskongress das Staatswappen der DDR an der Wand hing; auf Instagram sahen sich Funktionäre in der „Tradition realsozialistischer Staaten“.

Werwigk-Schneider sagt, sie sei vor mehr als 20 Jahren als Zeitzeugin angetreten, um gegen die damalige PDS zu kämpfen, aus der die Linke hervorging. Jetzt werde die Linke wieder stark. „Und dann ist da noch diese blöde AfD. Ich habe Angst vor den Linken und den Rechten.“

Rostbraune Stahlstangen markieren den Grenzverlauf

An der Bernauer Straße, wo sie im August 1961 stand, markieren heute rostbraune Stahlstangen den früheren Grenzverlauf. Ein Teil der Mauer ist noch erhalten. Ganz in der Nähe hat Axel Klausmeier sein Büro, der Direktor der Stiftung Berliner Mauer. „Wir haben 36 Jahre nach dem Ende der DDR nicht erreicht, was wir mit Blick auf den Nationalsozialismus erreicht haben: eine einhellige und eindeutige Meinung, dass das eine Diktatur war“, sagt er.

Die Stiftung Berliner Mauer will das ändern. Klausmeier und seine Mitarbeiter kümmern sich um die Gedenkstätte an der Bernauer Straße, den Checkpoint Charlie, das Notaufnahmelager Marienfelde und andere Orte in Berlin, die an das SED-Unrecht erinnern. „Wir müssen deutlich machen, dass dieser Staat seine Bürger eingemauert und mit dem Schießbefehl den Tod von Menschen billigend in Kauf genommen hat, die flüchten wollten“, sagt Klausmeier.

Sie dokumentieren die Erzählungen der Zeitzeugen

Die Erinnerungsarbeit steht vor Herausforderungen. Klausmeier und seine Mitarbeiter stellen sich darauf ein, dass Zeitzeugen früher oder später sterben. Sie führen Interviews, filmen die Erzählungen, um sie zu konservieren. „Gerade hat die ARD eine App entwickelt, mit der von uns vermittelte Zeitzeugen gewissermaßen ins Klassenzimmer kommen.“ Künftig wolle die Stiftung noch stärker mit digitalen Medien arbeiten, um junge Menschen zu erreichen.

Klausmeier weiß aber auch, wie wichtig Orte sind, an denen Besucher „eine emotionale Erfahrung“ machen können. Die verbliebenen Teile der Mauer, die Gebäude des Notaufnahmelagers Marienfelde, all das muss kontinuierlich repariert und der Verfall verlangsamt werden. Gerade weil sich der Blick auf die DDR ständig verändere, sollten diese Orte daran erinnern, was das politische System ausgemacht hat. „Es geht nicht darum, individuelle Biographien oder Lebensleistungen infrage zu stellen“, fügt Klausmeier hinzu.

An den Alltag erinnern, ohne die Diktatur zu relativieren

Die meisten Forscher sind sich einig, dass an den Alltag in der DDR erinnert werden kann, ohne die Diktatur zu relativieren. Der Historiker Martin Sabrow schlug schon vor Jahren vor, zwischen Diktatur-, Arrangement- und Fortschrittsgedächtnis zu unterscheiden. Während beim Diktaturgedächtnis das politische System der DDR im Fokus steht, geht das Arrangementgedächtnis der Frage nach, wie sich Menschen in diesem Staat ein Leben aufbauten und sich mit den Verhältnissen auseinandersetzten. Das Fortschrittsgedächtnis wiederum begreift die DDR als Versuch, eine gerechtere Gesellschaft zu schaffen, der gut gedacht, aber gescheitert sei.

In letzter Zeit stellt Sabrow eine „Mythisierungsöffnung“ fest: „Man kann sich der DDR heute stärker bemächtigen als früher.“ So gehe die AfD in sozialen Netzwerken „mit dem Simson auf Menschenfang“, einem ostdeutschen Moped mit Kultstatus, auf dem sich der Thüringer AfD-Vorsitzende Björn Höcke gern fotografieren lässt. „Wir erleben gerade vonseiten der Rechten ein Beharren auf einem ostdeutschen Selbstbewusstsein, das sich mit einer kritischen Durcharbeitung der Vergangenheit wenig verträgt.“

Seit fünf Jahren hat der Bundestag eine Beauftragte für die Opfer der SED-Diktatur: Evelyn Zupke, die als junge Frau selbst Flugblätter gegen das Regime verteilte und zu Protestkundgebungen aufrief. Heute ist sie die Stimme derjenigen, die unter dem System zu leiden hatten. „Wer verfolgt oder inhaftiert wurde, für den ist die Vergangenheit nie vorbei“, sagt Zupke. „Private nostalgische Erinnerungen sind zutiefst menschlich. Problematisch wird es, wenn der wahre Charakter der DDR hinter dieser Nostalgie verschwimmt, wenn Diktatur und Überwachung in Vergessenheit geraten.“

Der Historiker Jörg Ganzenmüller spricht von einer „politischen Instrumentalisierung“ der DDR. „Das findet sich vielfach bei der AfD, die mit ihrer Kommunikation an die friedliche Revolution von 1989 andockt oder andere Parteien als ,Blockparteien‘ verunglimpft.“ Bei der Linken sehe er zumindest „ein Bemühen um ein differenziertes Bild und um Aufarbeitung“. Sehnsüchte nach der DDR nehme er in der Partei nicht wahr. Hinter den Vorfällen bei der Linksjugend vermutet er Provokation. Viele, die einen problematischen Blick auf die DDR hätten, seien zudem zum BSW gewechselt. Dort schaue man „am ehesten einseitig auf die vermeintlichen Errungenschaften der DDR“.

Den Fall der Mauer am 9. November 1989 erlebte Renate Werwigk-Schneider wie die meisten Deutschen: aus der Ferne. Sie saß zu Hause in Lichterfelde, tief im Berliner Westen. Als die Grenze offen war, fuhren ihre Freunde aus dem Osten zu ihr, ungefähr 20 Menschen. Sie bestellten Pizza und feierten bis in die Nacht.